Wohnbaugenossenschaften im Aufwind

Das Prinzip Genossenschaft


Der Marktanteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus ist in der Region Basel rückläufig. Es ist Zeit für eine Renaissance der Wohnbaugenossenschaften. Die Genossenschaft ist eine Rechtsform, die sich für gemeinschaftliche Wohnprojekte besonders gut eignet. Sie bietet allen Mitgliedern ein demokratisches Mitbestimmungsrecht: Unabhängig von der Einlagenhöhe hat jedes Mitglied eine Stimme. Als Genossenschafter ist man gewissermassen „Mieter im eigenen Haus“. >Mehr

Wohnbaugenossenschaften sind nicht gewinnorientiert. Sie verrechnen lediglich eine so genannte Kostenmiete. Diese umfasst den effektiven Aufwand. Die Mieten sind deshalb in der Regel wesentlich tiefer als auf dem übrigen Wohnungsmarkt. Genossenschaftsmitglieder haben die Möglichkeit zur Mitsprache und zur Mitarbeit in Gremien.

Die genossenschaftlichen Grundwerte sind seit 100 Jahren dieselben: Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Demokratie, Gleichheit und Solidarität. Neben der wirtschaftlichen Förderung steht der Mensch als soziales Wesen, Mitglied und Nachbar im Vordergrund der Genossenschaftsidee. So bieten Wohnbaugenossenschaften Gemeinschaftsinfrastrukturen, gemeinschaftliche Aktivitäten und Nachbarschaftshilfe. In Genossenschaftsbauten stehen meistens auch Flächen für soziale und öffentliche Zwecke zur Verfügung (Kindergärten, Schulen, Beratungsstellen, Praxen etc.). Genossenschaften umfassen in der Regel grössere Einheiten oder gar ganze Quartiere. In den Städten sind sie deshalb wichtige Partnerinnen im Städtebau und in der Quartiererneuerung. >Zurück
Genossenschaftliches Bauen und Wohnen in der Schweiz
Bezahlbaren, gesunden Wohnraum zu schaffen und gegen die Spekulation anzutreten - dies waren die wesentlichen Anliegen der Genossenschaftsbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Was klein begann, wurde breitenwirksam: Heute gehört jede zwanzigste Wohnung in der Schweiz einer Wohnbaugenossenschaft, in Basel ist es sogar jede zehnte. Gemäss Statistischem Amt wohnen in Basel-Stadt rund 20'500 Personen in 10'400 Genossenschaftswohnungen. Genossenschaften sind somit "sparsame Wohnflächenverbraucher". Die Mehrzahl der heute bestehenden Genossenschaften wurde in den Nachkriegsjahren gegründet, also zwischen 1920 und 1940 sowie zwischen 1950 und 1965. Die Zahl der Neugründungen ist seither stark zurückgegangen. Aktuell sind Bestrebungen im Gang, kleinere Genossenschaften zu fusionieren und die Strukturen an die heutigen Herausforderungen anzupassen.
Der Dachverband: Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz
Der Regionalverband Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz zählt über 170 Mitgliedgenossenschaften. Der Verband vertritt die Interessen der angeschlossenen Wohnbaugenossenschaften und des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Die Tätigkeiten umfassen Koordination und Beratung, die Entwicklung von Projekten sowie Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Der Verband führt eine Förderstelle und ist Ansprechpartner für die Behörden, zum Beispiel in Bezug auf das neue Wohnraumfördergesetz Basel-Stadt oder die Entwicklung von Arealen. Aktuelle Projektentwicklungen sind beispielsweise in den Schoren, am Bachgraben, auf dem Felix Platter-Areal (alle Basel) oder am Rüchligweg (Riehen) in Gang. Seit 2011 gelangt der Partnerschaftliche Baurechtsvertrag+ zur Anwendung. Dieser bietet den Wohnbaugenossenschaften in Basel-Stadt Vorteile, beinhaltet aber auch Verpflichtungen, so zum Beispiel eine Belegungsziffer oder die Äufnung eines Erneuerungsfonds.
www.wbg-nordwestschweiz.ch
Baugenossenschaften in Südbaden
In Südbaden sind Baugenossenschaften seit 100 Jahren aktiv. Sie sind aus Arbeitervereinen und Gesellenverbänden hervorgegangen. Kommunen, Kirchen und Parteien, Gewerkschaften, Bahn und Post haben Baugenossenschaften gegründet und sie geprägt. Die Baugenossenschaften bieten günstigen, gut gepflegten Wohnraum, dazu funktionierende Nachbarschaften und – zumindest in den grösseren Siedlungen – auch Gemeinschaftseinrichtungen. Wohnbaugenossenschaften finden sich in den meisten grösseren Ortschaften: in Lörrach genauso wie in Weil am Rhein oder Grenzach-Wyhlen. Viele Genossenschaften verfügen über professionelle Strukturen mit Vorstand und Aufsichtsrat. So lassen sich die anspruchsvollen Aufgaben bewältigen. Aktuelle Neubauvorhaben finden sich beispielsweise in Grenzach-Wyhlen (Überbauung Jericho).
www.regio-bg.de

Genossenschaften at work

Ob in Ormalingen, Ziefen, Grenzach-Wyhlen, Reinach, Birsfelden, Riehen oder Basel: Immer mehr Genossenschaften werden vom Neubau- und Erneuerungsfieber angesteckt. Näheres erfahren Sie unter > Projekte.

Wohnraumförderung in Basel-Stadt

Für gemeinnützige Wohnbauträger gibt der Kanton Basel-Stadt Land im Baurecht zu vergünstigen Konditionen ab. Zudem erhalten diese vom Kanton Basel-Stadt Darlehen zur Projektentwicklung.
>Fachstelle Wohnraumentwicklung

Lesetipps

Der dritte Weg im Wohnungsbau:
> Broschüre des Wohnbunds
Gemeinden u. Wohnbaugenossenschaften:
> Broschüre für Gemeindebehörden
Gründen, bauen, wohnen:
> Informationen für neue Genossenschaften

Genossenschaftswesen in Kürze

Was zeichnet die Wohnbaugenossenschaften aus? Worin liegt ihre Stärke? Einführung von Stephan Schwitter, Direktor des Verbands Wohnbaugenossenschaften Schweiz: > Artikel